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Schwungvolle Kurven: Die Stuttgarter Liederhalle im Bau. Foto: Gustav Epple GmbH | |
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| Online-Redaktion Stuttgarter Zeitung |
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| Liebe Leserin und lieber Leser, |
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1956 war das Jahr, in dem Stuttgart drei seiner wichtigsten Bauwerke bekam: Fernsehturm, Rathaus, Liederhalle. Manche von ihnen werden heute heiß geliebt, andere... naja, weniger heiß.
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Es gibt wahrscheinlich kaum jemanden, der den Fernsehturm nicht mag. Aber als er Mitte der 1950er Jahre am Hohen Bopser aus dem Wald wuchs, waren viele Stuttgarterinnen und Stuttgarter entsetzt: Der Betonturm verschandele die Landschaft, hieß es, und in Leserbriefen wurde immer wieder gefragt: Steht der denn überhaupt gerade? Heute ist er das unumstrittene Wahrzeichen der Stadt und beinahe jeder dürfte heimatliche Gefühle kriegen, wenn nach einer Reise auf der Heimfahrt der Fernsehturm am Horizont auftaucht.
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Wie schaut es bei der Liederhalle aus, die fünf Monate nach dem Fernsehturm im Juli '56 eingeweiht wurde? Viele erkennen heute, welches Juwel der Nachkriegsmoderne Stuttgart da sein Eigen nennt. Ein einladendes Konzerthaus mit dem kessen Hüftschwung der Fifties, ein heiteres Gegenkonzept zum Bombast der Nazi-Architektur. Und ein Beton gewordenes Stück Demokratie, denn in der Liederhalle gibt es keine schlechten Plätze.
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Womit wir beim Stuttgarter Rathaus wären. Beziehungsstatus: Es ist kompliziert. Wer sich noch erinnern konnte, trauerte jahrzehntelang dem alten, historistischen Rathaus nach, das kurioserweise Neues Rathaus hieß, weil es 1905 das alte Renaissance-Rathaus ersetzte. Es brannte 1944 bis auf die Grundmauern ab. Man hätte es wieder aufbauen können, aber die Stadthonoratioren waren damals nicht scharf auf „den alten Kruscht“. Also wurden die Architekten Hans Paul Schmohl und Paul Stohrer beauftragt. Sie entwarfen einen Funktionsbau, klar, ohne Schnickschnack, nüchtern. Mein Kollege Tomo Pavlovic formulierte es mal so: Der Marktplatzflügel besitze den prickelnden Charme eines Regals voller Leitzordner.
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Aber ganz ehrlich: In den vergangenen Jahren hat sich der Stuttgarter Marktplatz mit seinen bunten 50-Jahre-Setzkastenhäusern ganz „hälinga“, wie meine Oma gesagt hätte, also heimlich, still und leise in mein Herz geschlichen. Geht's Ihnen vielleicht genauso?
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Redakteurin im Thementeam Stadtgespräch
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