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Josephine Baker auf dem Faschingsball des Hotel Marquardt während ihres Gastspiels in Stuttgart im Jahr 1929. Foto: „Eine neue Ästhetik des Lebens“/Schmetterling-Verlag | |
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Theresa Schäfer
Reporterin Stadtgespräch
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| Liebe Leserin und lieber Leser, |
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1929 gastierte im Stuttgarter Friedrichsbau-Varieté ein Weltstar: Josephine Baker tanzte, dass dem Stuttgarter Publikum Hören und Sehen vergingen. Die Württemberger Zeitung schwärmte: „Jede Faser an ihr ist jubelnder Tanz.“ Anderswo im Deutschen Reich hagelte es für die afroamerikanische Tänzerin Auftrittsverbote. Sogar in ihren Memoiren dachte die Baker an ihre zwei fulminanten Wochen in Württemberg zurück.
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In den 1920er Jahren herrschte in Stuttgart ein liberaler Geist – gesellschaftlich wie politisch. Das sagt der Historiker Jörg Schweigard in einem Interview mit meiner Kollegin Lisa Welzhofer, das ich Ihnen unbedingt ans Herz legen möchte. Schweigard hat ein Buch über die Landeshauptstadt in der Weimarer Republik geschrieben: „Eine neue Ästhetik des Lebens – Wegbereiter der Moderne im Stuttgart der Roaring Twenties 1919-1933“.
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Stuttgart war eine junge Stadt, man ging aus, in Bars, aber auch ins Kino, ins Varieté, ins Theater. In den Räumen der Waschmittelfirma Hix in der Kronenstraße stiegen die wildesten Künstlerpartys der Stadt.
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| Noch 1930 holte die NSDAP in Stuttgart nur 8,3 Prozent |
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Die bürgerlichen Kräfte hielten sich hier länger als anderswo. Noch 1930 erreichte die NSDAP in Stuttgart nur 8,3 Prozent, im Reich hingegen 18,3 Prozent. Ein Jahr später holte die Nazipartei bei den Kommunalwahlen dann urplötzlich 21,5 Prozent. Die Weltwirtschaftskrise machte den Menschen Angst – und nach und nach wurde auch die liberale Stuttgarter Stadtgesellschaft anfällig für die Heilsversprechen von rechts.
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Wir alle fragen uns angesichts von Wahlergebnissen wie denen in Sachsen-Anhalt: Kann es wieder so werden? Unsere Demokratie, sagt Schweigard im Interview, sei wehrhafter als die Weimarer Republik es war. Hoffen wir, dass er Recht behält.
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